Emilija Mančić, Universität Wien

Nach- und Weiterleben von Helden Prometheus und Odysseus. Vom sozialistisch geformten zum europäisch orientierten Individuum

Der Vortrag möchte am Beispiel von zwei Helden der griechischen Mythologie als archetypische Bilder der menschlichen Existenz in Europa der folgenden einleitenden Frage nachgehen: Welche Heldentypen werden in wechselnden kulturellen Kontexten und Wertsystemen konstruiert und wie dieser Prozess zustande kommt?
Dabei geht es um die Untersuchung vom Um- und Weiterschreiben eines literarisch-imaginativen Grundbestandes und um die Problematik, wie die ästhetischen Konzepte und literarischen Darstellungsmuster aus dem literarischen Diskurs in den historiographischen und politischen bzw. ideologischen hineinwirken. Welcher Heldentypus oder welche -typen jeweils vom dominanten Interesse sind, ergibt sich aus dem Zusammenspiel von gesellschaftlicher Praxis und herrschender Ideologie.
Held der Arbeit als prometheischer Held propagierte den Typus des neuen sozialistischen Menschen. Held der Arbeit wurde aus der breiten Masse rekrutiert, er war einer aus dem Volk (z.B. Alija Sirotanović) und diente als Identifikationsfigur.
Dem leitenden ideologischen Konzept des Selbst in der Transformation entspricht der homo europaeus – flexibles, mobiles, sich selbst kontrollierendes Individuum, das am besten in den Krisenzeiten zurechtkommt und Fähigkeit zu multiplen Identitäten entwickelt. Dieser Persönlichkeitstypus entspricht mehr Odysseus, der durch seine Art des Handelns (Vernunft, Listigkeit und Beherrschung) überlebt.